Taiwan-Info

Kultureller Austausch zwischen Deutschland und Taiwan

 
 

Das "Cloud Gate Dance Theatre" tanzt in Berlin

   
   
Das Festival "Tanz im August" zählt zu den wichtigsten Kulturereignissen in Berlin. Dieses Jahr wurde das Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan eingeladen und päsentierte sein neues Stück "Mond Wasser" (Shui Yue), dessen Erstaufführung letzten Herbst in Taipei schon ein rauschende Erfolg war. Auch das Berliner Publikum reagierte darauf mit großer Begeisterung.
   
Link zum " Cloud Gate Dance Theatre"
   
Quelle: Berliner Morgenpost vom 15.08.1999

Tai Chi mit Bach

«Tanz im August»: Das Cloud Gate Dance Theatre aus Taipeh

Volkmar Draeger

Lange bleibt der Saal im Dunkel. Zeit zur Einstimmung. Dass es hauptsächlich um Zeit geht, ihr Festhaltenwollen in tänzerischer Form, wird rasch deutlich. In der Schwärze des riesigen Bühnenraums der Deutschen Oper reagiert ein Mann auf eine Sarabande für Cello, ist allein mit der Klarheit und Durchgeistigung Bachscher Musik. Ein gewaltiger Spiegel hoch über ihm wirft zurück, was dem Solisten an geschmeidiger Bewegung entströmt.

Choreograf Lin Hwai-min entfaltet 70 pausenlose Minuten lang einen einzigartigen kosmischen Bilderbogen. Neun Teile aus Bachs Cello-Suiten konfrontiert er mit Tai Chi-Technik und Bausteinen modernen Tanzes, wie er ihn in New York studiert und seinem kulturellen Hintergrund anverwandelt hat. Entstanden ist ein Kunstwerk von singulärer Schönheit und geradezu rauschhafter Ästhetik.

Wie sehr es ganz im asiatischen Denken und Fühlen wurzelt und dennoch mühelos die Synthese mit europäischer Klangform einzugehen weiß, beeindruckt tief. Sein poetischer Titel «Moon Water» speist sich aus zwei Quellen. Dass Blumen im Spiegel und Mondglanz auf dem Wasser trügerisch seien, besagt ein buddhistisches Sprichwort. Dass die Energie wie Wasser fließen sollte, während der Geist kühl wie der Mond scheine, umschreibt den Idealzustand beim Tai Chi. Lin Hwai-min nimmt das szenisch wörtlich.

Bald ist der Einzelne in den Fluss der Zeit geworfen, bald tanzt er, von der Gruppe grundiert, gemeinsam mit einer Partnerin gegen die Vergänglichkeit an. Selten berühren sich die Tänzer, spannungsvolle Energielinien halten sie auf Abstand und binden sie dennoch aneinander. Nie an diesem Abend reißt jene Energie ab.

Wie Engel des Lichts tanzen sie in weißen Seidenhosen, die Männer mit freiem Oberkörper, von kosmischer Kontinuität und universeller Harmonie. Ehe sie ins Unsichtbare entschwinden, reflektiert ein Spiegel in voller Bühnenbreite atemverschlagende Bilder dieses getanzten Naturrituals. Lin Hwai-min und seinem Cloud Gate Dance Theatre aus Taiwan ist mit «Moon Water» ein Mirakel an formaler und inhaltlicher Geschlossenheit gelungen, dessen europäische Erstaufführung das gerade eröffnete Festival «Tanz im August» stolz stimmen darf.

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