Taiwan-Info

 

"Kieler Nachrichten" vom 27.08.2000

 

Marine mit Museumsreife: Chinas U-Boot-Flotte noch schlechter gerüstet als russische

   
   
     
  Peking (AFP) Mit dem Untergang der "Kursk" hat auch das Image der Seemacht Russland endgültig Schiffbruch erlitten. Die Havarie des Renommierbootes der russischen Flotte und das Unvermögen bei der Rettung haben für alle sichtbar gemacht, wie heruntergewirtschaftet die Armee der einstigen Großmacht ist. Schlecht bestellt ist es indes nicht nur um den Unterhalt der russischen Flotte. In der Volksrepublik China, dem wichtigsten Bezieher russischer Waffen, ist die Marine sogar noch weitaus schlechter ausgestattet.

"Wenn es hier einen ähnlichen Notfall gäbe wie den der 'Kursk', wäre die Besatzung in einer noch schlechteren Lage," sagt ein asiatischer Militärexperte, der anonym bleiben will. China habe weder das Knowhow noch die technische Ausrüstung, um ein havariertes Boot aus tiefer See zu bergen. "Die Chinesen haben davon noch weniger Ahnung als die Russen", sagt der Fachmann. In der Barentssee hatten russische Marinesoldaten tagelang vergeblich versucht, eine Rettungskapsel an die "Kursk" anzudocken. Die nach langem Zögern angeforderten norwegischen Taucher schafften es dann binnen weniger Stunden, in das Atom-U-Boot zu gelangen. Für die eingeschlossenen Soldaten kam die Hilfe zu spät.

Dass China in einem solchen Notfall jemals das Ausland zu Hilfe rufen könnte, halten viele für ausgeschlossen. "Wenn hier so ein Unfall passierte, würden wir niemals davon hören", glaubt ein westlicher Militär- und Asienexperte. "Was auch immer die Ursache wäre, ein Unfall würde als Zeichen der Schwäche der chinesischen Armee gesehen." Die chinesische Marine ist in der Tat in einem bedenklichen Zustand. Beinahe die Hälfte der etwa 50 U-Boote, darunter auch sechs atomgetriebene, ist schon seit Jahren nicht mehr zu Wasser gefahren.

Knapp 40 Boote wurden von der Sowjetunion gekauft und stammen aus den 50er Jahren. Vor fünf Jahren kaufte China zwei neue russische U-Boote, mit denen es aber nicht zurecht kam. Die Boote seien technisch einwandfrei, bekräftigte Moskau, die chinesische Marine warte sie nur nicht sorgfältig genug. Mit zwei weiteren Käufen des technisch verbesserten Typs hatte China weniger Probleme.

Der größte Stolz der chinesischen Marine ist die "Xia". Die Eigenproduktion kann mit Atomsprengköpfen bestückte Raketen abfeuern. "Die 'Xia' war aber schon seit mehreren Jahren nicht mehr auf See, und ihre Raketen sind zum letzten Mal in den frühen 90ern abgefeuert worden", sagt der asiatische Militärexperte. Ein Nachfolgemodell ist derzeit mit russischer Hilfe in Arbeit.

China ist zusammen mit Indien Russlands wichtigster Waffenkunde. Zwischen 1991 und 1997 kaufte Peking russische Waffen im Wert von rund sechs Milliarden Dollar (nach heutigem Kurs mehr als 13 Milliarden Mark). Obwohl sich Chinas staatlich kontrollierte Presse bei Berichten über die "Kursk» jeden Kommentars über die russische Armee und Marine enthielt, wächst in der chinesischen Bevölkerung die Sorge über eine mögliche Katastrophe in der eigenen Marine. "Russische Waffen sind einfach zu schlecht", meint ein Teilnehmer eines Internet-Chatrooms zu dem Thema. "Die chinesische Armee sollte alle russischen Waffen zurückgeben und sich das Geld auszahlen lassen."

Doch Peking wird auch weiterhin auf russische Waffentechnik zurückgreifen. Derzeit entwickelt Russland zwei Atom-U-Boote für China, die in fünf beziehungsweise zehn Jahren fertig sein sollen. "Ich wüsste auch nicht, wo China sonst die notwendige Technologie her bekommen sollte," sagt Joanna Kidd vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London. "Die anderen Länder, die Atom-U-Boote bauen, sind Frankreich, Großbritannien und die USA. Und ich glaube weder, dass China von diesen Ländern kaufen wollte, noch dass diese bereit sind, an China zu verkaufen."

   
   
 
     
     
 

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