Taiwan-Info

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(Tagesspiegel, 17.07.2003)
Big in Taiwan
Es sind die Schätze der chinesischen
Kaiser, die jetzt im Alten Museum gezeigt werden.
Wenzel Jacob holte sie nach Deutschland. Zehn Jahre dauerten die
Vorbereitungen
Von Matthias Oloew
Er hat ein Faible für große
Sammlungen. Vor allem für die der berühmtesten Museen der Welt.
Er holte 1992 eine Auswahl aus dem Museum of Modern Art in New
York, es folgten Ausstellungen mit den Sammlungen aus dem Prado
in Madrid oder der Eremitage in St. Petersburg. Sie alle waren zu
sehen in der Bundeskunsthalle in Bonn, deren Intendant Wenzel
Jacob ist. Jetzt holt er die Schätze aus dem chinesischen
Kaiserpalast der Verbotenen Stadt nach Deutschland. Noch vor der
Station in Bonn ist die Ausstellung "Schätze der Himmelssöhne
- die kaiserliche Sammlung des Nationalen Palastmuseums
Taipeh" in Berlin zu sehen.
Zehn Jahre hat Wenzel Jacob gebraucht, um die Ausstellung auf die
Beine zu stellen. Aus der rund 650000 Stücke umfassenden
Sammlung auf Taiwan sind hier 400 zu sehen, die einen Querschnitt
dessen zeigen, was die Sammlung von 4000 vor Christus bis in die
Neuzeit ausmacht. "Etwa 20 Prozent der Exponate müssen wir
nach der Hälfte der Ausstellungszeit zurückschicken", sagt
Jacob. Das sind vor allem die Kalligraphien, jahrhundertealt,
komplett erhalten auf den meterlangen Schriftrollen. Im Gegenzug
schickt das Museum in Taipeh dann andere Exponate, die nur in
Bonn gezeigt werden.
Die Ausstellung kommt vor allem deshalb nach Berlin, weil ein
entsprechender Passus im Vertrag vorsieht, dass sie in der
Hauptstadt gezeigt werden muss. Aber es ist eine Ausstellung, zu
deren Eröffnung von deutscher Seite kein hochrangiger Politiker
erscheinen wird. Der Grund für die diplomatischen Verwicklungen
ist einfach: Taiwan ist als Staat nicht anerkannt und die
Beziehungen zur Volksrepublik China sollen nicht Schaden nehmen.
Teile der Sammlung reisten früher nach Frankreich und in die
USA, in dieser Zusammenstellung waren die Keramiken,
Seidenwebereien, Jaden, Miniaturen und Kalligraphien noch nie außerhalb
Taiwans zu sehen.
Die große Azteken-Ausstellung, die derzeit im Gropius-Bau läuft,
und die Schau mit den Schätzen aus dem Kaiserpalast sind in
Jacobs Augen zwei Super-Hammer, die zeitgleich zu sehen sind. Er
weiß, wie man Event-Aussstellungen inszeniert. Bei der
Vernissage des Moderna Museet Stockholm schaute Königin Silvia
in Bonn vorbei, bei der Tibet-Schau kam der Dalai-Lama. Heute
gibt es als Vorgeschmack einen chinesischen Drachentanz im
Lustgarten - eine bunte Show unentgeltlich für alle, 18.15 Uhr
geht es los. Die Ausstellung selbst ist ab Freitag im Alten
Museum geöffnet (dienstags bis sonntags 10 bis 18, donnerstags
bis 22 Uhr) - bis zum 12. Oktober.
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