Taiwan-Info

 

"Neue Zürcher Zeitung" vom 03.04.2000

 

Pentagon-Studie über Taiwans Verwundbarkeit

   
 

Beschwichtigende Worte von Verteidigungsminister Cohen

     
  R. St. Washington, 1. April

Über das Wochenende ist eine amerikanische Militärdelegation nach Taiwan gereist, um der dortigen Regierung eine vom Pentagon angefertigte Studie über den Zustand der Verteidigungsbereitschaft Taiwans zu überreichen. Aus der 40seitigen, geheimen Untersuchung war am Donnerstag in Washington durchgesickert, Taiwan sei bei einem Angriff Chinas verwundbar, was vor allem in konservativen Schichten des Kongresses für Aufregung sorgte. In einem Bericht der «Washington Post», in dem nicht genannte Mitarbeiter des Pentagons zu Wort kommen, wird die Verwundbarkeit Taiwans auf technische Rückstände in der Rüstung und auf mangelnde Kontakte der Offiziere mit Militärs anderer Länder zurückgeführt.

Die Armee Taiwans habe, so heisst es beispielsweise, wegen der diplomatischen Isolation der Republik keine Möglichkeit gemeinsamer Übungen mit Armeen anderer Länder. Überdies mache ihr die Bedienung der komplexen modernen Waffen zu schaffen. Ein hoher Beamter des Verteidigungsministeriums bestätigte am Wochenende, dass die Studie die Frage der Sicherheitsrisiken bei der taiwanischen Luftabwehr behandle. Verteidigungsminister Cohen goss danach Öl auf die Wogen. Ohne zu dem auf Wunsch der Regierung in Taipeh erstellten Bericht und seinen Folgerungen konkret Stellung zu nehmen, erklärte er, Taiwan besitze noch immer sehr fähige Militärführer. Aus der Umgebung Cohens war zu vernehmen, die Insel brauche nicht in erster Linie modernere Waffen, sondern eine bessere Koordination von Luftwaffe, Heer und Marine und bessere Kommunikationsmittel; ferner werde die vorhandene Ausrüstung schlecht genutzt.

Die Regierung von Peking hatte Washington Mitte März, vor den Wahlen auf Taiwan, vor der Lieferung von hochentwickelten Waffen an die Inselrepublik gewarnt; eine solche Lieferung war als feindlicher Akt dargestellt worden. Dennoch wird Ende April eine taiwanische Militärdelegation in Washington erwartet, die Verhandlungen über den Ankauf von modernen Zerstörern der Aegis-Klasse führen will.

   
   
 
     
     
 

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