Taiwan-Info

Bericht des "Remscheider Generalanzeiger" vom 15.04.2000

 
  Taiwanesisches U-Theatre gastierte im Stadttheater
 

von Jörg Isringhaus

   
  Wie eine monströse Welle rollt der Schall durch den Raum, bricht sich im Saal und bringt die Wände zum Schwingen. Die riesigen Gongs des U-Theatres machen den Klang fühlbar; der Zuschauer sitzt nicht am Rand einer Bühne, sondern am Ufer eines donnernden Ozeans: "The Sound of the Ocean" heißt denn auch nicht von ungefähr das Programm der taiwanesischen Trommler, die Donnerstag im Remscheider Stadttheater strandeten - ihr erster Auftritt in Deutschland überhaupt.
   
  So ein Rücken kann entzücken: Meistertrommler Wong Chee-mun aus Taiwan beim furiosen Finale auf der Riesentrommel.

Asiatische Trommler sind ja schon alte Bekannte in Remscheid, man kennt die stoischen Mienen, die weiten Gewänder, die perfekte Körperkontrolle. Aber trotzdem ist beim U-Theatre vieles anders. Im Gegensatz zu den japanischen Percussion-Künstlern inszenieren die Taiwanesen ihre Darbietung mehr, verzichten auf permanentes Trommelfeuer zugunsten eines subtilen Wechsels von meditativer Stille und höllischem Lärm, von eleganten Tanzschritten und wilden Sprüngen, harmonischem Gleichklang und kakophonischen Dissonanzen. Spielerisch leicht fügen sich die Elemente zum Gesamtkunstwerk.

Choreografin Liu Ching-Min bedient sich dabei traditioneller asiatischer Philosophien, setzt auf den Einklang von Körper und Geist. Erstarrt verharren die Arme der Trommler in der Luft, um sich zeitlupenartig auf das Instrument zu senken; die Töne tropfen in den Raum, aus dem Tröpfeln wird allmählich ein Prasseln, das in einem tobenden Sturm endet. An gebogenen Stämmen hängen gigantische Gongs wie bronzene Schilder, die keulengroßen Sticks führen die halbnackten Männer so kunstvoll wie Kampfstöcke. Archaisch wirkt das, kraftvoll und ästhetisch, so urgewaltig wie der Ozean. Natur verwandelt das Ensemble des U-Theatres in Klang: Man hört das Rauschen der Brandung, das Tosen der Wellen, das Schweigen der Tiefe.

Am Ende begibt sich Meistertrommler Wong Chee-mun an die mächtigste Trommel. Flankiert von zwei riesigen Gongs, hämmert er sich auf ihr zum furiosen Finale, stürzt das Publikum vom kolossalen Klanggewitter ins Meer der Stille. Die Zuschauer im fast ausverkauften Stadttheater antworteten mit spritzigem Applaus.

   
   
 
     
     
 

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